Bern, 16. Januar 2012 Die Vorbereitungen für den dritten MenschenStrom gegen Atom laufen auf Hochtouren. In Erinnerung an die Atomkatastrophe von Fukushima findet die Demonstration an deren erstem Jahrestag statt. Bereits über 40 Organisationen rufen zu dem friedlichen Marsch mit anschliessender Kundgebung am 11. März 2012 beim Atomkraftwerk Mühleberg auf. Gemeinsam fordern sie die sofortige Ausserbetriebnahme der AKW Mühleberg und Beznau, die Konkretisierung des Atomausstiegs sowie einen raschen und konsequenten Umstieg auf erneuerbare Energiequellen. Der atomare GAU in Fukushima im März des vergangenen Jahres hat die Schweizer Bevölkerung bestürzt und aufgerüttelt. Dass das Thema Atomenergie wieder ins Zentrum des gesellschaftlichen Interesses gerückt ist, zeigte die grosse Teilnahme am letztjährigen MenschenStrom gegen Atom. 20’000 Menschen forderten am 22. Mai 2011 den Ausstieg aus der Atomenergie. Wenige Tage später hat der Bundesrat den schrittweisen Atomausstieg beschlossen. Doch die Atomlobby arbeitet kräftig gegen diesen Entscheid. „Bis der Atomausstieg verbindlich geregelt wird, ist es noch ein langer Weg“, so die OrganisatorInnen des MenschenStroms. „Der Druck auf die EntscheidungsträgerInnen muss aufrecht erhalten bleiben, damit sie die konkrete Umsetzung vorantreiben.“ Mit dem schrittweisen Atomausstieg sind die Probleme der Atomkraft allerdings nicht vom Tisch. „Der Atomausstieg ist erst um das Jahr 2034 geplant. Die Risiken, die mit der Atomenergie zusammenhängen, lassen sich aber nicht einfach um Jahre hinausschieben“, sagt Laura Schnüriger, Mitorganisatorin des MenschenStroms gegen Atom. Gesellschaft und Politik sind weiterhin gefordert, ihre Stimme gegen die Atomkraft und für die Energiewende zu erheben. Der MenschenStrom am 11. März 2012 bleibt also bitter nötig. Bereits über 40 Trägerschaftsorganisationen rufen zum Marsch mit anschliessender Kundgebung nahe des AKW Mühleberg auf. Die Wahl des Kundgebungsortes ist nicht zufällig. „Die Sicherheitsmängel des Schrottreaktors Mühleberg, etwa die Risse im Kernmantel, sind seit längerem bekannt“, sagt Laura Schnüriger. In einem Bericht vom vergangenen Dezember weist Fokus Anti-Atom darauf hin, dass die Notkühlung des AKW Mühleberg bei einem Bruch des Wohlenseestaudamms akut gefährdet ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Staudamm bei einem Erdbeben der Stärke 7.5 auf der Richterskala bricht, liegt bei hohen 6.7 Prozent. Bis 31. März 2012 müssen alle Schweizer AKW nachweisen, dass sie solchen Erdbeben standhalten können. Für das AKW Mühleberg, welches den Sicherheitsnachweis bereits Ende Januar erbringen muss, besteht der Stresstest aus einem Szenario inklusive Staudammbruch. „Es ist nicht damit zu rechnen, dass dieser Nachweis erbracht werden kann“, sagt Atomexperte Jürg Joss. Es ist bedenklich, dass alte, gefährliche Risikoreaktoren wie das AKW Mühleberg trotz bekannter Mängel immer noch am Netz sind. Die OrganisatorInnen und TrägerInnen des MenschenStroms gegen Atom fordern deshalb „Mühleberg und Beznau vom Netz – jetzt!“. Sie sind überzeugt, dass eine rasche und konsequente Energiewende möglich ist und laden alle herzlich ein, am MenschenStrom mitzuwandern und ein friedliches Zeichen zu setzen für eine erneuerbare Zukunft.
Kontaktpersonen
Mail: info@menschenstrom.ch
Eine Auswahl von Fotos in hoher Auflösung finden Sie unter :
Der MenschenStrom gegen Atom 2012 wird von folgenden Organisationen getragen
|
|||
|
|


AKW Mühleberg und Erhöhung Grimselmauer: beides darf nicht sein
Anfangs der 70-er Jahre war ich der Meinung, die Kernenergie sei sicher. Erste Zweifel: die Endlagerung radioaktiver Abfälle kann nicht gelöst werden. Dann Störfall Harrisburg, Gau in Tschernobil, wir waren erstmals direkt betroffen: eine radioaktive Wolke ging anderthalb mal um die Welt, es regnete im Tessin radioaktiv. Noch heute wird die Asche von Holzheizkraftwerken in Deutschland, Österreich und der Schweiz als Sondermüll entsorgt, dies wegen Spuren von Cäsium.
Zu Mühleberg: Bern liegt in der 30-Kilometer-Zone von Mühleberg.Verwandte und Freunde von uns lebe in dieser Zone höchster Gefahr. Bei nur 100 km Distanz müsste auch im Haslital mit einer radioaktiven Verseuchung gerechnet werden. In Fukushima passiert der Unfall bei drei AKW’s, per heute eines davon wieder unter Kontrolle. Grund: ungenügender Hochwasserschutz. Mühleberg wurde diesen Sommer saniert, aber wird durch die BKW (50% Eigentümer von KWO) bevor der Hochwasserschutz 100% garantiert werden kann, wieder ans Netz genommen.
Der AKW-Ausstieg ist in der Schweiz beschlossene Sache.Will man geordnet aussteigen, so wird frühestens die nächste Generation AKW-frei sein. Der Ausstieg ist ein Langzeitprojekt. Szenarien sind zu erarbeiten, es muss auch beschlossen werden, mit welchem Energiebedarf (Variante Überfluss: wie heute oder Variante „Vernunft“ : 2‘000Watt-Gesellschaft) man leben will. Im Rahmen dieser Szenarien wird man Prioritäten setzen und die Auswirkungen auf die heutigen Gesetze prüfen.
Dass im Zeitpunkt des AKW-Störfalles in Japan auf die Umweltorganisationen sofort Druck ausgeübt wurde, verfassungsrechtliche Grundsätze wie einen Moorschutz zu kippen, war unterste „Schublade“.
Atomausstieg ohne Grimsel-Mauererhöhung ( Überstauung des Moorschutzgebiet) möglich!
Nach den neusten Studien des Bundesamtes für Energiewirtschaft ist der Ausstieg aus der Atomenergie möglich, ohne ein einziges geschütztes Gebiet in der Schweiz zu zerstören. Damit ist die Mauererhöhung des Grimselsees um 23 Meter politisch nicht mehr begründbar. Die seit den 30er- Jahren unter Naturschutz stehende Landschaft „Sunnig Aar“, in der es verboten ist, Feuer zu entfachen, Zelte aufzuschlagen, Blumen zu pflücken oder Schafe weiden zu lassen, muss überleben.Zur Grösse: Das Durchwandern der geschützten Landschaft Sunnig Aar zusammen mit dem Gletschervorfeld Lauteraar nimmt mehrere Stunden in Anspruch.
Peter Anderegg, dipl. Wirtschaftsprüfer, 3860 Meiringen, Präsident Grimselverein
www.grimselverein.ch